Archive for the ‘Bewerbung’ Category

Bewerben per Webcam

Montag, Juni 4th, 2012

Über eine interessante Neuerung berichtet Die Welt am 04. Juni 2012: „Bewerben per Webcam“. Dass dies Zeit und Geld spart ist klar, aber geht das wirklich? Die Otto Group testet dieses Verfahren, bei dem die Bewerber – jedenfalls in der ersten Runde – nicht per Händedruck begrüßt werden, sondern sich mit Headset bewaffnet über Skype ‚persönlich‘ vorstellen. Natürlich finden diese Videointerviews auf freiwilliger Basis statt, aber auch die Bewerber haben den Nutzen, nicht weite Fahrtstrecken und lange Abwesenheiten in Kauf nehmen zu müssen. Otto führt dieses Verfahren schon seit 2009 durch und hält sich zugute, die Besetzungsdauer deutlich verkürzt zu haben. Geeignete Kandidaten werden dann später natürlich noch zu einem Vorstellungsgespräch geladen, da schließlich auch Körpersprache und persönliche (mehr …)

„interessierter und hochmotivierter Mitarbeiter“

Mittwoch, November 16th, 2011

Die Zeugnissprache ist eine Geheimsprache. Wird attestiert, ein „interessierter und hochmotivierter Mitarbeiter“ gewesen zu sein, spricht dies – zusammen mit einer hervorragenden Note – erst einmal nicht gerade für ein schlechtes Zeugnis. Probleme könnten aber darin liegen, dass es im Text heißt, „wir haben [Herrn XY] als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennen gelernt“. Hieran stieß sich ein Kläger, Mitarbeiter in einem „SAP Competence Center“, weil er in dem „kennen gelernt“ einen versteckten negativen Hinweis sah. Er meinte sogar, der Arbeitgeber bringe „verschlüsselt zum Ausdruck, dass gerade das Gegenteil der jeweiligen Aussage zutreffe“. Darin folgte ihm das Bundesarbeitsgericht nicht (Urteil v. 15.11.2011). Das Gericht meinte vielmehr, die Formulierung (mehr …)

Arbeitgeber muss Verlängerung Elternzeit zustimmen

Montag, Oktober 31st, 2011

Eine Verlängerung der Elternzeit ist – nach Gesetz – nur möglich, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Hat der Arbeitnehmer also eine bestimmte Zeit und die Dauer festgelegt, ist er auf die Zustimmung des Arbeitgebers angewiesen, einen längeren Zeitraum in Anspruch zu nehmen. Die Frage stellt sich allerdings, ob der Arbeitgeber nur einfach „nein“ sagen kann oder bestimmte Gründe nennen muss. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte sich mit einem Fall zu beschäftigten, in dem eine Mutter einen solchen Verlängerungsantrag „wegen gesundheitlicher Probleme“ gestellt hatte. Der Arbeitgeber stimmte allerdings der Verlängerung nicht zu und als die Mutter zum eigentlichen Rückkehrtermin nicht erschien, bekam sie eine Abmahnung. Das BAG hielt die Abmahnung nicht für rechtens. Der Arbeitgeber müsse schließlich „nach billigem Ermessen“ entscheiden (BAG Urteil v. 18.10.2011 – 9 AZR 315/10). Weil das Landesarbeitgericht nur pauschal entschieden hatte, der Arbeitgeber sei „frei“ in seiner Entscheidung. geht jetzt der Fall dorthin zurück, um aufzuklären, ob wirklich nennenswerte Gründe vorlagen.

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.gleichbehandlung-hamburg.de

 

5 Jahre Gleichbehandlungsgesetz – eine Zwischenbilanz

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Am 18. August 2006 trat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft. Die Aufregung bei den Arbeitgebern war groß. Die Praxis hat inzwischen gezeigt, dass sich die Rechtsprechung auf eine einfache Gesetzesanwendung beschränkt. Für Diskriminierungen bei Bewerbungen bleibt der Schadenersatz im gesetzlichen Rahmen von drei Monatsgehältern. Nicht immer werden aber Benachteiligungen angerkannt. Einen Überblick über die verschiedenen Urteile hierzu geben wir auf der Seite: http://www.gleichbehandlung-hamburg.de/Fachartikel/5%20Jahre%20AGG%20Zwischenbilanz.pdf

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.gleichbehandlung-hamburg.de