Pflicht zur Wiedereingliederung

Das Landesarbeitsgericht Hamm hat mit seiner Entscheidung vom 23.08.2012 (Az.: 15 Sa 586/12) deutlich gemacht, dass Arbeitnehmer, die längerfristig erkrankt waren, einen Anspruch auf eine stufenweise Wiedereingliederung in den Job (sog. Hamburger Modell) haben. Hintergrund der Entscheidung war ein Fall, bei dem ein Disponent längerfristig aufgrund einer depressiven Erkrankung arbeitsunfähig war. Nach sechs Monaten wollte der Mitarbeiter im Rahmen eines ärztlich vorgeschlagenen stufenweisen Wiedereingliederungsplans seine Tätigkeit wieder aufnehmen, was der Arbeitgeber allerdings aufgrund von Sicherheitsbedenken ablehnte. Daraufhin legte der betroffene Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine ärztliche Arbeitsfähigkeitsbescheinigung vor, die vom medizinischen Dienst bestätigt wurde. Nachdem der Arbeitgeber daraufhin trotz des Angebots seiner Arbeitsleistung immer noch nicht bereit war, dem betroffenen Mitarbeiter wieder an die Arbeit zu lassen, klagte dieser erfolgreich die Zahlung seines Lohns ein. Die Richter argumentierten, dass der Arbeitgeber grundsätzlich verpflichtet ist, einer ärztlich vorgeschlagenen stufenweisen Wiedereingliederung nachzukommen, solange diese dem Arbeitgeber nicht den Umständen nach unmöglich oder unzumutbar ist. Der Arbeitgeber habe diesbezüglich keine freie Entscheidungsmöglichkeit.

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