fristlose Verdachtskündigung und Anhörung

Wenn der Verdacht besteht, der Arbeitnehmer hat eine strafbare Handlung oder eine schwerwiegende Pflichtverletzung begangen, kann dies auch zu einer fristlosen Kündigung führen. Dafür entscheidend ist allerdings, dass es sich um einen Verdacht handelt, der das notwendige Vertrauen des Arbeitgebers zerstört hat oder zu einer nicht erträglichen Belastung im Arbeitsverhältnisses geführt hat. Der Verdacht muss objektiv durch Tatsachen begründet sein, die so beschaffen sind, dass auch ein abwägender, also verständiger und gerecht denkender Arbeitgeber zum Mittel der fristlosen Kündigung greifen würde. Außerdem muss die Gefahr bzw. Wahrscheinlichkeit bestehen, dass der Arbeitnehmer eine solche oder vergleichbare Pflichtverletzung erneut begehen würde. Schließlich müssen auch die „Verdachtsmomente“ so schwerwiegend sein, dass eben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar geworden ist. Für das alles muss der Arbeitgeber alle zumutbaren Anstrengungen zur Aufklärung des Sachverhalts unternehmen (siehe hierzu unseren Artikel vom 18.01.2012) und ist insbesondere verpflichtet, den verdächtigen Arbeitnehmer anzuhören. Dies auch nicht „zwischen Tür und Angel“, sondern die Rechtsprechung verlangt sogar, dem Arbeitnehmer „noch eine Nacht“ Bedenkzeit zu gebenund ggf. einen Anwalt zu Rate zu ziehen. Eine einseitige Wertung des Arbeitgebers ist ebenso unzulässig, wie das Vorenthalten von Erkenntnissen, die den Arbeitnehmer ggfs. entlasten könnten. Ohne eine solche Anhörung des Arbeitnehmers wäre die Kündigung von vornherein unzulässig, wie jetzt auch das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg in einem Urteil vom 25. April 2012 (Az.: 13 Sa 135/11) entschieden hat.

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.kuendigung-abfindung-hamburg.de

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