Hilfe, mein Arbeitsplatz ist weg

Ende Juni kommt es erfahrungsgemäß deshalb zu Kündigungen, weil das Quartalsende eingehalten werden soll. Häufiges Argument des Arbeitsgebers: „Ihr Arbeitsplatz ist weggefallen, wir haben keine Arbeit mehr für Sie.“ Ob das als Grund reicht, ist oft zu bezweifeln. Eine ordentliche, also fristgemäße Kündigung muss „verhältnismäßig“ sein. Die Kündigung ist also ausgeschlossen, wenn die Möglichkeit besteht, auf einem anderen, freien Arbeitsplatz weiterbeschäftigt zu werden, so das Bundesarbeitsgericht in einer Entscheidung vom 05.06.2008. Und weil gerade in großen Konzernen freie Stellen regelmäßig im Intranet ausgeschrieben werden, macht es Sinn, sich diese Stellen rechtzeitig anzuschauen, ob sie in Frage kommen, also „geeinget“ sind. Je nachdem muss der Arbeitgeber auch eine angemessene Einarbeitungszeit (bis zum 6 Monaten) hinnehmen oder der Arbeitnehmer kann verlangen, statt gekündigt zu werden, eine „zumutbare“ Fortbildung zu absolvieren. Was „zumutbar“ ist, hängt vom Einzelfall ab, aber z.B. ein English-Crash-Kurs müsste vom Arbeitgeber abgewartet werden. Es geht daram, dass eine Änderungskündigung, also das Angebot für einen anderen Arbeitsplatz, immer Vorrang hat vor einer Beendigungskündigung.

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.kundigung-abfindung-hamburg.de

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