Kündigungsschutz im Kleinbetrieb

Im Kleinbetrieb gilt kein Kündigungsschutz. Diese Aussage stimmt nur zum Teil, weil das Kündigungsschutzgesetz erst dann angewandt wird, wenn mind. 11 Arbeitnehmer (ohne Chefs und Azubis) beschäftigt werden. Ist man also schutzlos einer Kündigung ausgeliefert? Nein. Wie das Bundesarbeitsgericht jetzt zutreffend entscheiden hat (Urt. vom 08.12.2011 – 6 AZN 1371/11), gibt es auch in Kleinbetrieben einen Schutz vor ungerechtfertigter Entlassung. Dieser Schutz folgt bereits aus Artikel 30 der Europäischen Grundrechtscharta (GRC).  Dort heißt es, dass jede Arbeitnehmerin / jeder Arbeitnehmer nach dem Gemeinschaftsrecht und den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften und Gepflogenheiten Schutz vor ungerechtfertigter Entlassung hat. Dadurch, so das Bundesarbeitsgericht, ist gewährleistet, dass auch während der gesetzlichen Wartezeit (von 6 Monaten) von den Gerichten für Arbeitssachen überprüft wird, ob die Kündigung gegen die guten Sitten verstößt (§ 138 Abs. 1 BGB) oder ob sie Treu und Glauben (§ 242 BGB) verletzt. Sie sollten also immer einen Rechtsanwalt aufsuchen, falls Sie gekündigt wurden.

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.kuendigung-abfindung-hamburg.de

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