Wie lange dem Druck standhalten bei gerigem Einkommen?

Viele jüngere Beschäftigte unter 35 Jahren klagen über den Druck am Arbeitsplatz. Wie lange kann man diesem Druck standhalten, also den vielen Überstunden, der schlechten Bezahlung, der Unsicherheit der Beschäftigung und der steigenden Belastung? Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock fordert: „Wenn man es wirklich ernst meint mit der Fachkräftesicherung, von der immer die Rede ist, dann darf man die jungen Beschäftigten nicht verheizen“. Der DGB hatte eine Sonderauswertung anfertigen lassen bei der sich herausstellte, dass viele junge Beschäftigte einem erheblichen Druck ausgesetzt sind mit den entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit. Gefragt wurde in der Studie unter anderem nach der Einkommenssituation und den Arbeitszeiten, der Arbeitsintensität und den psychischen wie physischen Belastungen.  Viele junge Beschäftigte sind mit ihrer Einkommenssituation unzufrieden. 47 Prozent, also fast die Hälfte, beurteilt sie als negativ, das gilt vor allem für die prekär Beschäftigten. Fast jede bzw. jeder Vierte bezieht ein niedriges Einkommen unter 1.500 Euro im Monat, jeder Sechste gar unter 800 Euro. Lediglich die Hälfte der Befragten ist unbefristet beschäftigt und verdient mehr als 1.500 Euro im Monat, etwa ein Drittel (37 Prozent) mehr als 2.000 Euro. Ingrid Sehrbrock forderte deshalb Tariflöhne und den gesetzlichen Mindestlohn. „Tariflöhne sind auch für junge Beschäftigte immer noch die beste Lösung. Sie bleiben das wirkungsvollste Instrument, um Dumpinglöhne und Ausbeutung zu verhindern. Darüber hinaus brauchen wir endlich den gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro.“  Auch von Planungssicherheit kann bei vielen der Befragten keine Rede sein. Etwa ein Fünftel (21 Prozent) ist befristet beschäftigt, jede bzw. jeder Zehnte arbeitet in der Leiharbeit (4 Prozent) oder als Minijobberin (7 Prozent). Die Ausbreitung der Minijobs ist vor allem ein Problem für junge Frauen: jede Zehnte (10 Prozent) hat einen Minijob, bei den Männern sind es vier Prozent. „Gerade prekär Beschäftigte haben mangels verlässlicher Perspektiven in einer wichtigen Lebensphase, in der persönliche Entscheidungen anstehen, zum Beispiel Familiengründung oder Altersvorsorge, keine Wahl“, sagte Ingrid Sehrbrock. Auch gehen viele Beschäftigte zur Arbeit, obwohl sie aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben müssten. Insgesamt gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal krank zu Arbeit gegangen sind, jede bzw. jeder Zweite (48 Prozent) hat dies sogar zwei oder mehrere Male getan. Ingrid Sehrbrock forderte mehr Beratung, Information und ein durchdachtes Gesundheitsmanagement in den Betrieben. „Das nutzt nicht nur den Beschäftigten, jung und alt, sondern auch den Unternehmen selbst. Denn auch sie haben ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben und zufrieden mit ihrem Arbeitsumfeld sind.“ Die Unternehmen sollten hierfür auf die Kompetenz der Betriebs- und Personalräte zurückgreifen, die die Belastungen ihrer Kolleginnen und Kollegen sehr gut kennen, forderte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Verfasser: Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolfgang Steen, Hamburg
www.gleichbehandlung-hamburg.de

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